Über uns

Das Netzwerk, die konkrete Solidarität und das Projekt Teachers on the Road 

 

Kurzfilm ca. 5 Minuten. Ein kleiner Einblick in unsere Organisation Netzwerk Konkrete Solidarität e.V. und in das Projekt Teachers on the Road.

Netzwerk Konkrete Solidarität e.V.

Der gemeinnützige Verein Netzwerk Konkrete Solidarität e.V. (NKS) ist eine überparteiliche Organisation. Wir fördern und unterstützen Geflüchtete und Migrant*innen besonders in den Bereichen Bildung und Kultur, Stärkung der Autonomie und der Teilhabe am politischen, kulturellen und sozialen Leben.

Ein weiterer Bereich ist die Recherche- und Aufklärungsarbeit über politische, behördliche und gesellschaftliche Zustände, die den Zugang zu Bildung, Kultur und die Autonomie von Geflüchteten und Migrant*innen erschweren oder verhindern.

Alle Menschen, die fliehen, haben einen Grund dafür. Der Status eines Menschen ist für uns nicht relevant. Alle sind willkommen.

Wir sehen, insbesondere im Geiste der europäischen Union, keine Grenzen, keine Nationalstaaten und keine Abschiebungen. Diese Sicht geht über Europa hinaus und beinhaltet die Tatsache, dass Flucht und Migration Teil des Menschseins ist. In den Strukturen Nationalstaat und Grenzen sehen wir Abschottung und Ausgrenzung – das sind letztendlich Gewaltakte. Nationalismus und Rassismus werden durch diese Strukturen ermöglicht und institutionell gefestigt. Abschiebungen sind Zwang und menschenverachtend.

Wir gehen konkret und solidarisch gegen Missstände vor. Durch Veranstaltungen soll in der Gesellschaft und Politik eine Sensibilisierung für das Thema Flucht, Migration und Integration gefördert werden. So gehen wir zum Beispiel gegen fehlerhafte Sozialbescheide und Menschenrechtsverletzungen in Unterkünften vor oder setzen uns für das Bleiberecht ein.

 

Teachers on the road

Die Notwendigkeit des Projekts Teachers on the Road ist durch eine menschenunwürdige Einwanderungspolitik Deutschlands und der EU entstanden. Wir besuchten Menschen in mehr als 70 Unterkünften in Rheinland-Pfalz und Hessen und befragten sie nach ihren Anliegen. Die meisten äußerten den dringenden Wunsch, schnell Deutsch zu lernen.

Das ehrenamtliche Engagement beginnt da einzugreifen, wo der deutsche Staat seine Verantwortung gegenüber Geflüchteten nicht oder nur unzureichend wahrnimmt. Wir möchten Geflüchteten und Migrant*innen die Möglichkeit bieten, Deutsch zu lernen und dadurch ihrer sozialen, kulturellen und räumlichen Isolation entgegenwirken. Die Kurse, die ausschließlich außerhalb von Unterkünften angeboten werden, sollen den Teilnehmer*innen die Möglichkeit geben sich mit anderen zu vernetzen, Kontakte und Freundschaften zu schließen und ihnen einen sicheren Raum bieten. Die Teachers sind moderierend, unterstützend und kooperierend tätig. Wir sind keine Schule und nicht autoritär, nicht belehrend, sondern anregend. Die Ermutigung der Teilnehmer*innen zur Selbstorganisation, zur Autonomie, soll immer im Mittelpunkt allen Engagements stehen. Daher führen wir auch keine Teilnehmer*innen-Listen, denn Kontrolle widerspricht der Autonomie. Die Deutschkurse dienen in erster Linie dazu, alltagsrelevante Deutschkenntnisse zu vermitteln. Sie sind eines der Mittel um der Isolation entgegenzuwirken. Wir nennen dies Isolationbreaking und verstehen es als einen ersten Schritt hin zu Autonomie und Selbstbestimmung. Wir unterstützen Geflüchtete dabei, das Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit (powerlessness) zu überwinden und ihre Gestaltungsmöglichkeiten und Ressourcen wahrnehmen und nutzen zu können. Diese Strategie wird als Empowerment bezeichnet. Das ist oft ein sehr schwieriger Prozess und bedeutet für Geflüchtete wie für die Unterstützer*innen Kraftaufwand und emotionale Belastung.

Es ist weder unser Ziel, dass die Teilnehmer*innen ein offizielles Sprachniveau erreichen, noch übernehmen wir originäre Aufgaben des Staates. Bei uns geht es um Inklusion, Dialog und Freude an der gemeinsamen Sache. Es geht um Vergesellschaftung. Damit ist der Prozess gemeint, der aus Individuen Gesellschaftsmitglieder macht, indem er sie in einen sozialen Zusammenhang aufnimmt.

Alle Interessierten, die neugierig auf neue Ideen, unkonventionelle Lösungen und spannende gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten sind, sowie Freude an der Mitgestaltung von dezentralen Strukturen und am Austausch mit Schüler*innen und Teachern haben, sind eingeladen das Netzwerk Konkrete Solidarität und seine Projekte zu unterstützen. Wir fordern keine spezielle Ausbildung. Im Gegenteil. Die Vielfalt von Methoden der Vermittlung deutscher Sprache ist unsere Stärke und bietet für jede*n Teilnehmer*in eine große Auswahl an Unterrichtsstilen.

Sprachvermittlung und politische Interventionen spielen in unserem Projekt notwendigerweise zusammen.

 

Politik und Ziele

Bildung stellt eine Grundvoraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dar. Wir leisten Bildungsarbeit durch das Anbieten und Fördern von Sprachkursen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Vermittlung der deutschen Sprache. Darüber hinaus vermitteln wir Bildungsinhalte, die geeignet sind, schulische, ausbildungsorientierte oder universitäre Zugänge zu ermöglichen.

Abhängig von den Bedürfnissen und Anregungen von Geflüchteten und Migrant*innen in den verschiedenen Städten, unterstützen wir bei der Arbeits-, Ausbildungs- und Weiterbildungssuche, bei Behördengängen und bei sonstigen Problemen mit Behörden und Verwaltung.

Wir unterscheiden nicht zwischen Wirtschafts- oder Kriegsgeflüchteten, denn jede Flucht ist politisch. Geflüchtete sind alle Menschen, die sich gezwungen sehen ihr Herkunftsland zu verlassen. Der objektive Grund ist irrelevant. Einzig der subjektive Aspekt der Geflüchteten ist für uns ausschlaggebend.

Wir fordern gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen, uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, ab Beginn des Aufenthaltes.

Wir fordern die uneingeschränkte Übernahme der Kosten von Dolmetscher*innen im medizinischen Bereich und bei Behördengängen sowie uneingeschränkten Zugang zu freiem Internet.

Wir fördern und führen Maßnahmen durch, die das Verständnis für Geflüchtete, Migrant*innen und sonstige benachteiligte Menschen in Politik und Gesellschaft wecken.

Wir unterstützen Veranstalter*innen regionaler, nationaler und internationaler Kongresse, Treffen und Konferenzen und fördern die Teilnahme an diesen

Wir fordern die Schließung aller Container- und Sammelunterkünfte sowie Zeltstädte. Jeder Mensch hat das Recht auf eine menschenwürdige Unterbringung. Geflüchtete sollen selbst entscheiden können, wo und wie sie wohnen möchten. Somit setzen wir uns für eine dezentrale und frei gewählte Unterbringung ein. Einer Ghettoisierung stehen wir entgegen (Isolationbreaking).

Bezahlbarer Wohnraum muss für alle Menschen, unabhängig ihrer Nationalität, zur Verfügung stehen.

Wir fordern

  • die Schließung aller Container, Sammelunterkünfte und Zeltstätten
  • eine selbstbestimmte, dezentrale Entscheidung über den Wohnort und Art des Wohnsitzes
    (europaweit)
  • die Unterbringung in Wohnungen
  • den Zugang für bezahlten Wohnraum für alle und Errichtung von Sozialwohnungen

Weitergehende Forderungen

  • Kommunales Wahlrecht für alle Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität
  • Den Begriff „sichere Herkunftsländer“ lehnen wir ab
  • Dublin III Verordnung abschaffen
  • Globale Bewegungsfreiheit innerhalb und außerhalb von territorial definierten Grenzen
  • FRONTEX abschaffen
  • Offenes Europa ohne Grenzen
  • Sichere Fluchtrouten und visumsfreie Flugmöglichkeiten in die EU

Schaut euch auf unserer Website um. Es gibt interessante Informationen über die Entstehung, Ausführung und den Umfang der Projekte. Wir haben auch viele Presseberichte, die sich zu lesen lohnen, bereit gestellt. Unter dem Reiter Infos finden sich hilfreiche Informationen unter anderem zu Interview & Asylum, die Anhörung beim BAMF sowie Informationen speziell für Geflüchtete aus Afghanistan (bereitgestellt von Pro Asyl).

Viel Spaß und viel Erfolg bei eurer Arbeit im Netzwerk Konkrete Solidarität.

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