Selbstverständnis

Unser Selbstverständnis

Das Netzwerk, die konkrete Solidarität und das Projekt Teachers on the road

Das Netzwerk Konkrete Solidarität e.V. (NKS) versteht sich als eine überparteiliche Organisation, welche die Förderung und Unterstützung von Geflüchteten und Migrant*innen in Bildung und Kultur, in der Stärkung ihrer Autonomie, zur Teilhabe am politischen, kulturellen und sozialen Leben anstrebt.

Das NKS betreibt ebenso Recherche- und Aufklärungsarbeit über politische, behördliche und/oder gesellschaftliche Zustände, die den Zugang zu Bildung, Kultur und die Autonomie von Geflüchteten und Migrant*innen erschweren oder verhindern.

Alle Menschen, die fliehen, haben einen Grund dafür. Das heißt für uns, dass alle Geflüchteten gleich behandelt werden.

Keine Grenzen, keine Nationalstaaten, keine Abschiebungen! Denn in all diesen Strukturen sehen wir Abschottung und Ausgrenzung – dies sind letztendlich Gewaltakte. Nationalismus und Rassismus werden durch diese Strukturen ermöglicht und institutionell gefestigt. Das Accompany-Team (Gruppe, die bei Behördengängen unterstützt) erfährt das in besonderer Weise täglich.

Wir möchten konkret und solidarisch mit den Menschen gegen diese Missstände vorgehen und gleichzeitig durch öffentliche Aktionen ein Umdenken in der Bevölkerung und Politik anstoßen. So sehen wir zum Beispiel im Rahmen des Polit-Teams gegen fehlerhafte Sozialbescheide und Menschenrechtsverletzungen in Unterkünften vor. Es gelang uns, widerrechtliche Kürzungen von Sozialleistungen u.a. in Neustadt an der Weinstraße oder in Neuwied zu beenden und die Schließung der menschenunwürdigen Unterkunft in Haßloch zu erwirken.

Die Projekte gehen aus dem Trägerverein NKS hervor und sind diesem rechtlich untergeordnet. Die Projekte und ihre Stadtteilgruppen sind unabhängig und kooperieren zweckgebunden. Ihre Arbeit wird durch die in der Satzung und im Selbstverständnis formulierten Ziele bestimmt.

 

Das Projekt Teachers on the road – Isolationbreaking & Vergesellschaftung

Die Notwendigkeit des Projekts Teachers on the Road ist durch die menschenunwürdige Einwanderungspolitik Deutschlands und der EU entstanden. Wir besuchten Menschen in mehr als 70 Unterkünften in Rheinland-Pfalz und Hessen und befragten sie nach ihren Anliegen. Die meisten äußerten den dringenden Wunsch, schnell Deutsch zu lernen.

Das ehrenamtliche Engagement beginnt da einzugreifen, wo der deutsche Staat seine Verantwortung gegenüber Geflüchteten nicht oder nur unzureichend wahrnimmt. Wir möchten Geflüchteten die Möglichkeit bieten, Deutsch zu lernen und dadurch ihrer sozialen, kulturellen und räumlichen Isolation entgegenwirken. Die Kurse, die ausschließlich außerhalb von Unterkünften angeboten werden, sollen den Teilnehmer*innen die Möglichkeit geben sich mit anderen zu vernetzen, Kontakte und Freundschaften zu schließen und ihnen einen sicheren Raum bieten. Die Teachers sind dabei vor allem moderierend, unterstützend und kooperierend tätig. Wir sind keine Schule und nicht autoritär, nicht belehrend, sondern anregend. Die Ermutigung der Teilnehmer*innen zur Selbstorganisation, zur Autonomie, soll immer im Mittelpunkt allen Engagements stehen. Daher führen wir auch keine Teilnehmer*innen-Listen, denn Kontrolle widerspricht der Autonomie. Die Deutschkurse dienen in erster Linie dazu alltagsrelevante Deutschkenntnisse zu vermitteln. Sie sind eines der Mittel um der Isolation entgegenzuwirken. Wir nennen dies Isolationbreaking und verstehen es als einen ersten Schritt hin zu Autonomie und Selbstbestimmung. Wir unterstützen Geflüchtete dabei, das Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit (powerlessness) zu überwinden und ihre Gestaltungsmöglichkeiten und Ressourcen wahrnehmen und nutzen zu können. Diese Strategie wird als Empowerment bezeichnet. Das ist oft ein sehr schwieriger Prozess und bedeutet für Geflüchtete wie für die Unterstützer*innen Kraftaufwand und emotionale Belastung.

Es ist weder unser Ziel, dass die Teilnehmer*innen ein offizielles Sprachniveau erreichen, noch übernehmen wir originäre Aufgaben des Staates. Bei uns geht es um Inklusion, Dialog und Freude an der gemeinsamen Sache. Es geht um Vergesellschaftung. Damit ist der Prozess gemeint, der aus Individuen Gesellschaftsmitglieder macht, indem er sie in einen sozialen Zusammenhang aufnimmt.

Alle Interessierten, die neugierig auf neue Ideen, unkonventionelle Lösungen und spannende gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten sind, sowie Freude an der Mitgestaltung von dezentralen Strukturen und am Austausch mit Schüler*innen und Teachern haben, sind eingeladen das Netzwerk Konkrete Solidarität und seine Projekte zu unterstützen. Wir fordern keine spezielle Ausbildung. Im Gegenteil. Die Vielfalt von Methoden der Vermittlung deutscher Sprache ist unsere Stärke und bietet für jede*n Teilnehmer*in eine große Auswahl an Unterrichtsstilen.

Jedoch darf die Arbeit nicht bei diesen humanitären Tätigkeiten aufhören, sondern muss über die Symptome hinaus die Ursachen dieser Missstände bekämpfen. Ein Status Quo oder die Verwaltung der Missstände ist keine Option. Daher gehören Sprachvermittlung und politische Interventionen in unserem Projekt notwendigerweise zusammen.

 

Ziele und politische Forderungen

Bildung stellt eine Grundvoraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dar. Wir betreiben Bildungsarbeit durch das Anbieten und/oder Fördern von kostenfreien Sprachkursen. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Vermittlung der deutschen Sprache. Außerdem vermitteln wir Bildungsinhalte, die geeignet sind, schulische, ausbildungsorientierte und/oder universitäre Zugänge zu ermöglichen.

Abhängig von den Bedürfnissen und Anregungen von Geflüchteten und Migrant*innen in den verschiedenen Städten, unterstützen wir bei der Arbeits-, Ausbildungs- und Weiterbildungssuche, bei Behördengängen und bei sonstigen Problemen mit Behörden und Verwaltung. Dafür haben sich z.B. die Projekte Accompany (Begleitung bei Behördengängen) und Legal Team (für Rechtsfragen) gegründet. Das Angebot ist jedoch abhängig von den jeweiligen Kapazitäten der Städte-Gruppen und konnte bislang nur in Kaiserslautern und Frankfurt am Main in diesem Umfang angeboten werden.

Wir unterscheiden nicht zwischen Wirtschafts- oder Kriegsgeflüchteten, denn jede Flucht ist politisch. Geflüchtete sind alle Menschen, die sich gezwungen sehen ihr Herkunftsland zu verlassen. Der objektive Grund ist irrelevant. Einzig der subjektive Aspekt der Geflüchteten ist für uns ausschlaggebend.

Wir fordern gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen, uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, ab Beginn des Aufenthaltes.

Ebenfalls fordern wir die uneingeschränkte Übernahme von Dolmetscher*innenkosten im medizinischen Bereich, bei Behördengängen, sowie uneingeschränkten Zugang zu freiem Internet.
Wir fördern und führen Maßnahmen durch, die das Verständnis für Geflüchteten, Migrant*innen und sonstige benachteiligte Menschen in Politik und Gesellschaft wecken. Wir engagieren uns für Kommunikations- und Bürger*innendatennetzwerke und/oder die dazugehörige Infrastruktur, kulturelle, technologische und soziale Bildungs- und Forschungsprojekte (z.B. FreiFunk).
Wir unterstützen die Veranstalter*innen regionaler, nationaler und internationaler Kongresse, Treffen und Konferenzen und fördern die Teilnahme an diesen.

 

Unterbringung

Wir fordern die Schließung aller Container- und Sammelunterkünfte sowie Zeltstädte. Jeder Mensch hat das Recht auf eine menschenwürdige Unterbringung. Geflüchtete sollen selbst entscheiden können, wo und wie sie wohnen möchten. Somit setzen wir uns für eine dezentrale und frei gewählte Unterbringung ein. Einer Ghettoisierung stehen wir entgegen (Isolationbreaking).

Bezahlbarer Wohnraum muss für alle Menschen, unabhängig ihrer Nationalität, zur Verfügung stehen.

  • Schließung aller Container, Sammelunterkünfte und Zeltstätten
  • Selbstbestimmte dezentrale Entscheidung über den Wohnort und Art des Wohnsitzes
    (europaweit)
  • Unterbringung in Wohnungen
  • Zugang für bezahlten Wohnraum für alle und Errichtung von Sozialwohnungen
    Weitergehende Forderungen
  • Kommunales Wahlrecht für alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität
  • Den Begriff „sichere Herkunftsländer“ lehnen wir ab
  • Dublin III Verordnung abschaffen
  • Globale Bewegungsfreiheit innerhalb und außerhalb von territorial definierten Grenzen
  • FRONTEX abschaffen
  • Offenes Europa ohne Grenzen
  • Sichere Fluchtrouten und visumsfreie Flugmöglichkeiten in die EU

Schaut euch auf unserer Website um. Es gibt sehr interessante Informationen über die
Entstehung, Ausführung und Umfang der Projekte. Wir haben auch viele Presseberichte, die sich zu lesen lohnen, bereit gestellt.

Viel Spaß und viel Erfolg bei eurer Arbeit im Netzwerk Konkrete Solidarität.

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